Sanierungskosten Theater

Sanierungskosten Theater: BOB sieht weiteren Klärungsbedarf
Einsparpotentiale aus Neubau nicht hinreichend geprüft

In der Ratssitzung vom 29. Januar stellt Kerstin Albrecht für die BOB-Fraktion (Bund Osnabrücker Bürger) einen Änderungsantrag zur Theatersanierung und meldet Klärungsbedarf hinsichtlich möglicher Einsparpotentiale an, die bislang nicht ausreichend geprüft wurden.
„Neben den Kosten für die (Wieder-)Herstellung einer ordnungsgemäßen Spielstätte und die temporäre Unterbringung des Spielbetriebes während einer Sanierung ist auch die Höhe der zukünftigen Unterhaltungszuschüsse unbedingt zu betrachten“, so Albrecht. Bei Kosten von z. Zt. etwa 11 Mio. Euro jährlich belasten die Zuschüsse mittelfristig die Finanzen der Stadt Osnabrück im Betrachtungszeitraum von 30 Jahren in größerem Umfang als die notwendigen Baumaßnahmen. Von daher sei es unerlässlich zu prüfen, welchen Effekt eine Sanierung oder ein Neubau auf die Höhe der zukünftigen jährlichen Zuschüsse haben.
Die Verwaltung und die Städtischen Bühnen sollen nach Meinung von BOB die folgenden Einsparpotentiale eines Neubaus prüfen und den Mehrkosten eines Neubaus gegenüber stellen:

– Wegfall der Kosten für die Auslagerung des Spielbetriebes während einer dreijährigen Sanierung

– Reduzierung der Betriebs- und Personalkosten durch Optimierung aller Abläufe in-nerhalb des Betriebes durch einen Neubau nach tatsächlichem Bedarf statt Mehrkos-ten durch Kompromisse im Altbau und durch räumlich getrennten Probebetrieb für den Betrachtungszeitraum.

Auch die Kostenstruktur des Theaters selbst stelle ein Problem dar und müsse sich zukünftig einem engeren Controlling stellen. Lt. Statistischem Bundesamt beträgt die Personalkostenquote der deutschen Theater durchschnittlich 72,8 %. Osnabrück hat eine Quote von 78,44 %. Das sind 5,64 Prozentpunkte mehr oder umgerechnet 896.800 € mehr als der Durchschnitt.

Außerdem möchte Albrecht dargestellt bekommen, welche Erlöse für Grundstück
und Immobilie im Verkaufsfall zu erwarten seien.
Ungeachtet dessen sollten die Verwaltung und die Städtischen Bühnen dahingehend
tätig werden, die erforderlichen Schritte einzuleiten, um mindestens 2/3 des Kostenvolumens
zur Refinanzierung bei europäischen, Bundes- und Landesinstitutionen in
der Region und privaten Spendern einzuwerben sowie entsprechende Gespräche
mit dem Landkreis Osnabrück hinsichtlich einer stärkeren finanziellen Beteiligung zu
führen.
Angesichts der immensen Kosten von 80 Millionen Euro ist die BOB-Fraktion der
Meinung, dass es oberste Pflicht von Politik und Verwaltung ist, Sinn, Umfang und
Zukunftsfähigkeit dieser Maßnahme grundsätzlich zu hinterfragen und auch anzuzweifeln!
„BOB möchte zu einer differenzierten Betrachtungsweise der Theatersanierung aufrufen,
die mehr Verständnis für notwendige Maßnahmen beim Bürger hervorruft und
gleichzeitig die Notwendigkeit eines effektiv finanzierten Theaters für ein Oberzentrum
wie Osnabrück verdeutlicht“; so Albrecht abschließend.
Zum Hintergrund: BOB möchte gerne ergebnisoffen zu einer neuen Prüfung auffordern,
bei gleichzeitigem Aufruf zu betriebswirtschaftlicherem Handeln, um wesentlich
weniger bis keine Zuschüsse fürs Theater zu erreichen und mit dem eingesparten
Geld mehr Möglichkeiten für den Großteil der Osnabrücker Bürger zu schaffen –
denn das Theater wird nur von einer Minderheit genutzt.
Zwar wurden bereits 3 Varianten geprüft, auch ein Neubau mit einer 1:1- Abbildung
des heutigen Bestands. Hier wurde jedoch nicht explizit geprüft, welche mittel- und
langfristigen Effekte ein Neubau auf die Betriebskosten und somit die Zuschüsse hätte.
Da ein Zuschuss in der bisherigen Höhe, gemessen am Betrachtungszeitraum
von 30 Jahren, die bisher ermittelten Baukosten um ein Vielfaches übersteigt, ist eine
Prüfung der Folgen eines Beschlusses, wie der Theaterbetrieb in Zukunft fortgeführt
wird, auf die zukünftigen Kosten unbedingt notwendig. Ein großes Einsparpotential
ergäbe sich schon daraus, dass keine Kosten während der Bauphase für die Auslagerung
des Spieltriebes entstehen und 5 Mio. Euro für den Neubau eines Probenzentrums
gespart würden.
Bei mit Sicherheitspuffer geplanten Sanierungskosten von ca. 80 Mio. Euro könnte
ein Neubau nach diesem Gutachten eventuell geringfügig teurer sein (was nur bei
einer 1:1 Variante der Fall wäre; laut Gutachten liegen keine planerischen Grundlagen
vor) und sollte neu kalkuliert werden. Zudem ist davon auszugehen, dass ein
Neubau größere Planungssicherheit bietet, da unvorhersehbare Herausforderungen
wie bei der Sanierung eines über 100 Jahre alten Gebäudes nicht zu erwarten sind.

Jedoch würde ein Neubau hingegen die Betriebsabläufe optimieren, da z.B. Wege
gespart werden und die technische Ausstattung, insbesondere die Bühnentechnik,
dem heutigen Stand der Technik angepasst würden. Die Mehrkosten für den Betrieb
eines externen Probenzentrums entfielen ebenso wie zusätzliche Kosten für interne
Wege und Transporte. Gerechnet auf 30 Jahre wäre hier eine Ersparnis von jährlich
mind. 1 Mio. Euro oder mehr realistisch. Auf 30 Jahre konservativ gerechnet ergeben
sich Einsparungen von wohl mehr als 30 Mio. Euro, die jährlichen Zuschüsse von ca.
11 Mio. Euro könnten somit ebenfalls reduziert werden.
Fraglich sei auch, ob das Theater 1:1 übernommen werden müsste. Möglicherweise
lassen sich z. B. Dienstleistungen, die das Theater in Eigenregie leistet, kostengünstig
outsourcen. Die im Falle eines Neubaus zu erwartenden Erlöse aus der Veräußerung
oder geänderten Nutzung der Altimmobilie sind bis jetzt noch nicht beziffert
worden.
So eingesparte Mittel könnten als Beitrag der Stadt z.B. für den Bau einer Mehrzweckhalle
in Osnabrück als Public-, Private-Partnership-Projekt verwendet werden,
um das Kulturangebot über das Theater hinaus für breite Bevölkerungsschichten zu
erweitern. In Lingen wurde eindrucksvoll bewiesen, was mit „nur“ 27 Mio. Euro möglich ist.

 

Hier die Pressemitteilung im Original: 2019-01-29 Sanierung Theater

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