Strategie gegen Ausbreitung giftiger Pflanzen

Beschluss:

Angesichts der zunehmenden Ausbreitung der giftigen Pflanzenarten des Jakobskreuzkrautes (Senecio jacobea) sowie des Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum) an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet möge der Rat beschließen:

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Erhebung zum Ausbreitungsstatus der Pflanzenarten des Jakobskreuzkrautes (Senecio jacobea) sowie des Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum) im Stadtgebiet, insbesondere in Erholungsgebieten, in der Nähe von Kinderspielplätzen, auf Kompensationsflächen sowie im Umfeld von Viehweiden durchzuführen.
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, an Stellen, an denen eine unverhältnismäßige Bestandsdichte der vorgenannten Arten auftritt, angemessene Bekämpfungs- und Pflegemaßnahmen zu veranlassen. Prioritär sind dabei die Bereiche von Kinderspielplätzen zu behandeln.
  3. Die Ergebnisse und geplanten Maßnahmen gemäß 1. und 2. sind dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorzulegen.

Begründung:

In den letzten Jahren ist eine zunehmende Ausbreitung der giftigen Pflanzenarten des Jakobskreuzkrautes (Senecio jacobea) sowie des Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum) an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet zu beobachten. Dies wurde auch im Bürgerforum in Atter im September 2016 angesprochen.

Während es sich beim Jakobskreuzkraut um eine heimische Pflanzenart handelt, ist der Riesen-Bärenklau eine ursprünglich invasive Art, die in der Mitte des 19. Jh. aus dem Kaukasus nach Europa eingeschleppt wurde. Beide Pflanzenarten zeichnen sich durch ihre Giftigkeit aus.

Ein verstärktes Auftreten von Jakobskreuzkraut ist überall dort feststellbar, wo eine geringe Vegetationsbedeckung eine Keimung zulässt. Vegetationslücken entstehen z.B. durch eine unzureichende Narbenpflege. Besonders anfällig für ein Massenauftreten sind daher u. a.:

  • Brachen,
  • Kompensations- und Ausgleichsflächen,
  • Bauerwartungsland,
  • Straßenböschungen, Wege, Bahndämme,
  • extensiv genutzte Grünlandflächen (spät gemähte Wiesen, Extensivweiden).

Das gelb-blühende Jakobskreuzkraut enthält die leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in der Leber zu toxischen Produkten umgebaut werden. Die Inhaltsstoffe der Kreuzkräuter wirken laut einer Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stark leberschädigend, krebserregend, embryonen- und erbgutschädigend. Beim Menschen kann Hautkontakt oder Verschlucken negative Reaktionen hervorrufen.

Eine direkte Vergiftungsgefahr bis hin zum Tod durch Jakobskreuzkraut besteht ganz besonders für Pferde und Rinder. Schon junge Pflanzen weisen hohe Giftkonzentrationen auf, enthalten jedoch nicht in dem Maße Bitterstoffe, wie es bei älteren Pflanzen der Fall ist. Die Tiere fressen das Jakobskreuzkraut deshalb als Jungpflanze, anstatt es zu meiden. Besonders gefährlich ist es, wenn die Pflanzen ins Heu geraten, denn die Giftstoffe werden im Heu kaum bis gar nicht abgebaut. Die Tiere sind zudem nicht mehr in der Lage, die getrockneten Giftpflanzen als solche zu erkennen.

Bei akuten Vergiftungen kann der Tod der Weidetiere innerhalb weniger Tage eintreten, bei chronischer Vergiftung oft erst nach Wochen oder Monaten. Das Gift lagert sich im Körper ein und führt zu den o.g. starken Leberschädigungen. Sowohl bei akuter Vergiftung als auch bei chronischer Vergiftung ist eine Behandlung und Heilung der Tiere meist aussichtslos.

Für Bienen ist Jakobskreuzkraut im Gegensatz zu anderen giftigen Pflanzen keine attraktive Tracht, dennoch können Massenbestände in der Nähe von Bienenvölkern die Gefahr einer Verunreinigung von Honig erheblich erhöhen. Nachweise von PA´s in Import-Honigen und Kräutertees hat es bereits gegeben.

Der Riesen-Bärenklau ist eine 2 bis 5 m hohe Staude mit tellerförmigem Blütenstand von bis zu 80 cm Durchmesser. Die Pflanze entwickelt eine mächtige Pfahlwurzel, die bis zu 60 cm lang wird. Im Bereich von Uferböschungen kann das massenhafte Auftreten von Bärenklau zu Ufererosion beitragen.

Die Pflanze kann schwere Hautreaktionen beim Menschen hervorrufen. Die ganze Pflanze enthält phototoxisch wirkende Furanocumarine. Bei Berührung und Sonneneinstrahlung können sich nach 24 bis 48 Stunden schwere Hautentzündungen mit starker Blasenbildung entwickeln. Die Hautveränderungen gleichen Verbrennungen dritten Grades und können sogar den Aufenthalt in einer Klinik notwendig machen. Der Pflanzensaft kann auch ohne direkte Berührung der Pflanze auf die Haut gelangen. Selbst Bekleidung bietet keinen vollständigen Schutz. Häufig sind Kinder betroffen, die beim Spielen in der Natur mit den Pflanzen in Berührung kommen.

Sowohl für die Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes, als auch des Riesen-Bärenklaus wird eine vorbeugende mechanische Bekämpfung durch Ausstechen der Einzelpflanzen empfohlen, um Massenausbreitungen zu verhindern.

Auf öffentlichen Flächen insbesondere auf Flächen des Naturschutzes sparen frühzeitige manuelle Maßnahmen Aufwand und Kosten. Eine häufigere Mahd ist insbesondere beim Jakobskreuzkraut eher kontraproduktiv, da die Pflanze von unten her umso stärker wieder austreibt und das Problem zwar zunächst nicht mehr sichtbar ist, aber im Folgejahr dafür umso mehr zunimmt.

Aufgrund der beschriebenen Eigenschaften der beiden Pflanzenarten sowie möglicher Zielkonflikte in den Bereichen Umwelt und Naturschutz ist es geboten, frühzeitig Bestandserhebungen durchzuführen und Bekämpfungskonzepte zu entwickeln. Dabei sollte nicht die Ausrottung das Ziel sein, sondern die Verhinderung von Massenauftreten.

Frühzeitige Maßnahmen dienen einerseits dem Schutz von Mensch und Tier vor den giftigen Eigenschaften dieser Pflanzen und schaffen andererseits eine Balance zwischen den unterschiedlichen Interessen des Naturschutzes, spielenden Kindern, Erholungssuchenden und Pferde- und Rinderhaltern.

Der Inhalt der Vorlage unterstützt folgende/s strategische/n Stadtziel/e:

Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Ziel 2016 – 2020)

gez. Dr. E. h. Fritz Brickwedde     gez. Dr. Ralph Lübbe

CDU-Fraktionsvorsitzender         BOB-Fraktionsvorsitzender

Hier der Antrag im Original:

2017-03-14-Strategie-gegen-Ausbreitung-giftiger-Pflanzen

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