Faktencheck nach der Stadtentwicklungssitzung

Stellungnahme der BOB-Ratsfraktion, Dr. Steffen Grüner (hinzugewähltes Mitglied Ausschuss Stadtentwicklung und Umwelt) und Dr. Ralph Lübbe (Fraktionsvorsitzender):

Faktencheck nach der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt am 9. März 2017

Erwartungsgemäß versuchten Stadtbaurat Otte und die Vertreter der Regenbogen-Koalition, die desaströsen TÜV-Ergebnisse über das Emissionsverhalten der Stadtwerkebusse vor Presse und Publikum schönzureden.

Daher hier nachfolgend einige Richtigstellungen:

A. Behauptungen des Stadtbaurates Otte

Behauptung: Stadtbaurat Otte behauptete, die NOx-Emissionswerte von Bussen und Pkw seien nicht vergleichbar, da in unterschiedlichen Bemessungsgrößen gemessen wurde.

Fakten: NOx-Emissionswerte von Bussen wurden im TÜV-Gutachten in der Dimension „g/km“ gemessen, NOx-Emissionswerte von Pkw werden gemäß Abgasnorm in der Dimension „mg/km“ gemessen

Fazit: Ein g entspricht 1.000 mg. Um die Vergleichbarkeit der unterschiedlich gemessenen NOx-Emissionswerte von Bussen und Pkw vollziehen zu können, muss man diese nur entsprechend mit dem Faktor 1.000 multiplizieren bzw. durch den Divisor 1.000 teilen.

Behauptung: Stadtbaurat Otte behauptete irritierender weise, dass die an 2 Stellen gemessenen Stickoxidbelastungen während der Neumarktsperrung zurückgegangen seien und dies den im TÜV Gutachten gemessenen Emissionen widersprechen würde.

Fakten: Die Emissionen der PKW Stickoxidbelastungen sind nicht direkt mit den Imissionsmessungen der Schadstoff-Konzentrationen an den Messstellen korrelierbar.

Fazit: Emissionen sind nicht mit Immissionen zu verwechseln. Der Stadtbaurat und Architekt Herr Otte ist sehr gut beraten, die Ergebnisse des TÜV Gutachtens von Experten prüfen zu lassen.

Merke: Das was hinten raus kommt, entspricht nicht dem, was in Kopfhöhe gemessen wird !

B.) Behauptungen seitens der Regenbogenkoalitionäre

Behauptung: Von den Vertretern der Regenbogen-Koalition wurde in einem Wortbeitrag suggeriert, die Immissionswerte an der Messstation „Neumarkt“ seien infolge der Sperrung auf eine Schadstoff-Konzentration von 48 μg/Kubikmeter an den zwei Messstellen zurückgegangen.

Fakten: Die NOx-Immissionswerte (d. h. die Schadstoff-Konzentration in der Dimension „Mikrogramm pro Kubikmeter Luft“, nicht zu verwechseln mit NOx-Emissionswerten in der Dimension „mg/km“) resultieren aus

  • sog. „Hintergrundbelastungen“ (Industrieabgase (Kraftwerk Ibbenbüren), Heizungen privater Haushalte usw.) sowie
  • aus verkehrsbedingten NOx-Immissionen (insbesondere Dieselbusse und Diesel-Lkw, sowie bei Pkw insbes. Diesel-Pkw, in Hafenstädten in hohem Maße auch aus den Abgasen der Schifffahrt)

Fazit: Die monokausale Erklärung für den Rückgang der NOx-Immissionswerte am Neumarkt während der Sperrung ist wissenschaftlich kaum zu halten ! Der Rückgang an nur 2 Messstationen kann ebenso gut auf die Jahreszeit (im Sommer z. B. keine Belastungen aus Heizungen!), Wetter (Wind z. B. vertreibt die Schadstoffe) usw. zurückzuführen sein. Leider fanden keine Messungen in den Wohnanliegerstrassen statt, die während der Neumarktsperrung ebenfalls – wie der Wall – vermehrt belastet worden sind.

C.) Behauptungen seitens der Stadtwerke

Behauptung: Die Stadtwerke formulieren in einer Stellungnahme zu den BOB-Überschlagsrechnungen bzgl. NOx-Vergleich Neumarkt vor und nach Sperrung, dass dieser „hinke“. Ein realer Vergleich müsse den NOx-Ausstoß der Pkw unter realen Bedingungen und auf demselben Streckenverlauf der Bus-Linie 41 zugrunde legen.

Fakten: BOB hat in seiner Beispielsrechnung

  • nicht auf einen realen Vergleich der NOx-Emissionen Bus <—> Pkw abgezielt,
  • sondern auf den Vergleich NOx-Emissionen im Bereich Neumarkt vor und nach Umwidmung zur Fußgängerzone mit ZOB.

Neumarkt vor und nach Umwidmung zur Fußgängerzone mit ZOB unterscheidet sich wie folgt:

  • vorher: Tempo 50 km/h mit „grüner Welle“, d. h. Konstantfahrten für Pkw waren möglich und auch die Regel
  • nachher: Schrittgeschwindigkeit (streng genommen: 5 km/h) sind gefordert, Konstantfahrten bei Bussen am ZOB die Ausnahme, Bremsen vor dem Halt + Beschleunigen nach dem Halt dagegen die Regel

Fazit: BOB hat in seinem Vergleich genau diese beiden o. g. Szenarien zugrunde gelegt – und dabei zugunsten der Busse sogar noch die Daten aus der Grafik „Konstantfahrten“ des TÜV bei 10 km/h zugrunde gelegt, statt der viel höheren Werte bei 5 km/h oder gar bei Beschleunigung aus dem Stand! Bei konstant 10 km/h emittieren die Stadtwerks-Busse lt. TÜV-Gutachten, Grafik 21, mindestens 10.000 mg/km NOx.

Bei Pkw wurden dagegen die zulässigen Werte für EURO-6-Diesel-Pkw bei Konstantfahrt mit 50 km/h, wie es vorher auf dem Neumarkt bei „grüner Welle“ möglich war, zum Vergleich herangezogen. Wie man der Grafik unten entnehmen kann, liegen die NOx-Emissisonswerte neuerer Diesel-Pkw bei Konstantfahrt mit 50 km/h sogar noch unter den zulässigen EURO-6-Grenzwerten von 80 mg/km!

Damit entspricht die NOx-Emission eines Busses auf einer Fußgängerzone Neumarkt der von rd. 120 EURO-6-Diesel-Pkw auf dem Neumarkt vor der Sperrung. Ein größenordnungsmäßig gleiches Verhältnis ergibt sich übrigens auch, wenn man die NOx-Emission der Dieselbusse bei 5 km/h (= bis zu 50.000 mg/km bei Konstantfahrt) der von EURO-3-Diesel-Pkw (≤ 500 mg/km) gegenüberstellt.

Behauptung: Die Stadtwerke behaupten, am Neumarkt sind nur 1760 Busbewegungen zu verzeichnen.

Fakten: Tatsächlich gaben die Stadtwerke bei PlaNOS „2096“ Busbewegungen an und haben 2016 der Zahl von 2200 Busbewegungen nicht widersprochen.

Fazit: Ob jetzt 1760 oder 2096 Busbewegungen: Es bleibt weiterhin bei einem Faktor ≥ 100, mit dem ein Diesel-Bus künftig auf dem Neumarkt bei konstant Tempo 10 km/h mehr Stickoxide ausstößt, als ein Euro-6-Diesel-Pkw vor Sperrung des Neumarktes bei konstant Tempo 50 km/h.

Behauptung: Die Stadtwerke behaupten, dass der Busbetrieb in Osnabrück bald auf Elektrobusse umgestellt werden würde.

Fakten: Für 2018/2019 sind 14 Elektrobusse in Aussicht gestellt worden. Da ein Elektrobus momentan noch das 2-3fache eines Dieselbusses kostet und die Stadtwerke Flotte aus über 400 Bussen besteht, wird die Elektrifizierung noch einige Jahre bis Jahrzehnte andauern.

BOB fragt: Warum wird die Flotte nicht auf Erdgas umgestellt oder mit sauberen Kats versorgt ? Warum soll eine Umwidmung beschlossen werden, obwohl nicht eine der 17 Einwendungen dagegen bis jetzt beantwortet wurde?

Hier die Pressemitteilung im Original:

Faktencheck-nach-der-Stadtentwicklungs-2

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